Vom ersten Flug bis zum
ersten Footballspiel

31|10|2022

Von Ela Schechinger

Hallo Freunde,

ich bin Ela, 15 Jahre alt und wie ihr euch wahrscheinlich schon anhand des Titels denken konntet, mache ich gerade ein Auslandsjahr in den USA. Allerdings mache ich kein reguläres Auslandsjahr, sondern ich bin Jugendbotschafterin im Rahmen des Bundestages und habe dank des Parlamentarischen Patenschaft-Programms die einmalige Möglichkeit ein Jahr lang eine amerikanische Highschool zu besuchen, bei einer wundervollen Gastfamilie zu leben, einmalige Erfahrungen zu machen und noch so vieles mehr und das alles ohne auch nur einen Cent dafür zahlen zu müssen. Ich wohne momentan im wunderschönen Bundesstaat Minnesota und freue mich schon darauf, euch in diesem Blog mehr über all meine Abenteuer auf der anderen Seite des großen Teichs zu berichten.

Fangen wir doch aber erstmal von vorne an…

Vor etwas mehr als einem Jahr hat meine Schwester ihren Abschluss an der Realschule gemacht. Warum das wichtig ist? Weil sie dafür verantwortlich ist, dass ich gerade hier unter einem Baum mitten in Minnesota sitze. Als sie mitten in den Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen steckte, wurden ihrer Klasse die verschiedenen Optionen vorgestellt, die sie nach dem Abschluss hatten. Eine davon war ein Auslandsjahr und da kam das PPP ins Spiel. Sie bekamen einen Flyer und weil ihr bewusst war, dass das keine Option fuer sie ist, sie jedoch wusste, dass ich von einem Auslandsjahr in den USA seit meiner Kindheit träume, hat sie meine Mama gefragt, ob sie mir den Flyer geben darf. Also landete der Flyer in meinem Zimmer und eine Woche später ging meine Online-Bewerbung raus. Nach einem scheinbar unendlichen Bewerbungsprozess bekam ich dann die Zusage von Herrn Mehltretter per Telefon, dass ich für das Stipendium ausgewählt wurde. Im Mai ging es dann auf ein Vorbereitungsseminar in Berlin und nach SEHR langem Warten habe ich Mitte August endlich meine Gastfamilie erhalten. Und am 29. August ging die Reise dann endlich los…

Von meinem ersten Flug…

Technisch gesehen war es nicht mein erster Flug, aber nach meinem Flug nach Ibiza vor über 11 Jahren kann man mich jetzt auch nicht wirklich als flugerfahren bezeichnen. Am 29. ging es in der Nacht um 2 Uhr los. Für mich und meine Familie ging es erstmal mit dem Auto nach München, von wo uns ein Zug nach Frankfurt brachte. In Frankfurt traf ich dann nach einem tränenreichen Abschied auf die ersten paar Leute von meiner Organisation. Natürlich hatte unser Flug Verspätung, aber unser Escort Freddy hat uns gut bei Laune gehalten. Als es dann endlich hieß: “Ab ins Flugzeug!!” waren alle mehr als nur aufgeregt. Ich will ehrlich mit euch sein. Der Flug war grauenhaft. Das Flugzeug war komplett voll und der Herr vor mir hatte seinen Sitz so weit nach hinten gelehnt, dass ich nicht aus meinem Sitz aufstehen konnte ohne mir wehzutun. Keine gute Kombi für jemanden, der Platzangst hat. Als wir dann endlich in Chicago angekommen sind, ging der Stress erst so richtig los, weil unser Escort uns natürlich nicht mit bis ans Gate begleiten konnte, also waren wir von da an auf uns gestellt. Alles lief super, bis es hieß, dass mein Flug sich so stark verspäten würde, dass ich meinen Anschlussflug nicht mehr schaffen würde. Nach einem kurzen Nervenzusammenbruch habe ich mich auf die Suche nach einer Lösung begeben und habe diese schlussendlich auch gefunden. Ich wurde auf einen anderen Flug umgebucht und von da an lief alles glatt. Naja so halb, wenn man ignoriert, dass mein Koffer nicht angekommen ist und ich ihn erst am nächsten Tag bekommen habe…

Die erste Woche

Nach meinem turbulenten Flugerlebnis hieß es für mich allerdings nicht erstmal ausruhen, sondern es ging am nächsten Tag sofort auf eine Familienfeier. Als ob das alles noch nicht genügend Aufregung fuer eine Woche gewesen wäre ging es fuer mich noch am selben Wochenende auf die Rennstrecke (für alle die es interessiert: ja, es ist genauso wie in den Fast & Furious Filmen) wo wir dann von Freitag bis Sonntag in einem Wohnwagen gewohnt haben. Die Zeit auf der Rennstrecke war so unfassbar cool und wir haben so viel gelacht. Wir sind Golfcart gefahren (und haben die ein oder andere Schlammpfütze mitgenommen, wobei nicht alle Kleidungsstücke sauber geblieben sind…), ich habe eine Menge amerikanischer Süßigkeiten probiert, mein Gastvater hat den ersten Platz bei den Rennen belegt und ich hatte einen riesigen Sonnenbrand, der mehr als nur schmerzhaft war. Alles in allem ist die erste Woche natürlich oftmals etwas unangenehm, weil man noch mitten in der Kennenlernphase steckt, aber das legt sich zum Glück nach einiger Zeit.

Der erste Schultag

Am Morgen des ersten Schultages war mir wirklich mulmig zumute und ich hatte zum ersten mal hier richtig Heimweh. An diesem extrem aufregenden Tag hätte ich so unfassbar gerne meine Familie an meiner Seite gehabt, aber ich wusste, dass ich da allein durch muss, egal, wie sehr ich mir wünsche, dass ich es nicht müsste. Also habe ich die Halskette meiner Mama angelegt und bin zur Schule gegangen (naja nicht gegangen, aber ihr wisst, was ich meine ;). Alles verlief ganz entspannt, ich habe alle meine Klassenzimmer gefunden, ohne jemanden um Hilfe bitten zu müssen, aber dann war es Zeit für meine erste “Lunch Break". Mein Gastbruder hat zu einer anderen Zeit Lunch als ich (weil wir sonst zu viele Schüler auf einmal wären), also hatte ich keinen Schimmer, zu wem ich mich setzen könnte. Als ich etwas verloren mit meinem Tablett voll Essen in der Gegend rumstand, hat mich ein Lehrer angesprochen und fragte, ob ich nicht wüsste, zu wem ich mich setzen sollte. Ich erzählte ihm, dass ich eine deutsche Austauschschülerin sei und als der Lehrer gerade dabei war, einem der herumlaufenden Schüler zu befehlen, mich ein paar seiner Freunde vorzustellen, drehte sich ein Mädchen um und fragte mich, ob ich mich zu ihnen setzen wolle. Später stellte sich heraus, dass sie die Gastschwester des anderen Austauschschülers an der Schule war und ich lernte den netten Jungen aus Belgien kennen. Und bevor ich mich umsehen konnte, war der erste Schultag auch schon vorbei.

Im Alltag ankommen

Die restlichen Wochen des Monats bestanden größtenteils daraus, sich an die neue Umgebung anzupassen, in der Schule versuchen Freunde zu finden, sich an die neue Sprache zu gewöhnen, zu Sportveranstaltungen zu gehen, Hausaufgaben zu machen, Tennistraining und einem 3-tägigen Ausflug mit meiner Area Rep (=Person von der Organisation, die für die lokalen Austauschschüler zuständig ist) und anderen Austauschschülern nach Minneapolis.

Heimweh.

Meine Eltern haben mir beigebracht, dass Ehrlichkeit die wertvollste Eigenschaft ist, die man als Mensch haben kann, also kommt hier die bittersüße Wahrheit. Manche Tage sind wirklich hart und dann denke ich eine Woche lang so gut wie gar nicht an Zuhause. Der erste Morgen war wirklich schlimm - ich lag in meinem Bett, habe mit meiner Mama geschrieben und einfach nur geweint. In dem Moment ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt 10 Monate auf mich allein gestellt bin. Danach bin ich aufgestanden und habe drei Tage lang nicht eine Sekunde Zeit gehabt, an meine Familie zu denken.

Auch wenn es nicht immer einfach ist, in einem Land zu leben, in dem man eine andere Sprache als seine Muttersprache spricht, gewöhnt man sich doch ziemlich schnell daran. Natürlich ist das Sprechen am Anfang noch etwas holprig und man versteht am Anfang manches nicht, aber an sich hat es bei mir zum Glück nicht allzu lang gedauert, bis ich mich in der englischen Sprache sicher gefühlt habe. Allerdings kommt es immer mal wieder zu lustigen Missverständnissen oder man fängt auf einmal an mit der Gastschwester auf deutsch zu reden und bemerkt es erst, als sie lauthals anfängt zu lachen…

Fazit zum ersten Monat

Zusammengefasst war der erste Monat eine der spannendsten Zeiten meines Lebens. Mein Leben hat sich komplett verändert und ich habe so viel über mich selbst und den Umgang mit anderen Kulturen gelernt. Ich kann jetzt schon sagen, dass mich meine Zeit als Jugendbotschafterin für immer prägen wird und ich würde diese Möglichkeit niemals missen wollen.

Schlagwörter:
PPP 22/23